VMware erhöht Mindestlizenzierung auf 72 Cores: Was KMUs jetzt tun sollten

Die neuen Lizenzbestimmungen im Detail.

Andreas Düpre / 04. April 2025

Die jüngsten Änderungen in der Lizenzpolitik von VMware unter der Führung von Broadcom stellen kleine und mittelständische Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Ab dem 10. April 2025 steigt die Mindestlizenzierung von 16 auf 72 Cores – eine drastische Erhöhung, die vor allem für KMUs spürbare finanzielle Konsequenzen haben wird. Dazu kommen empfindliche Strafgebühren bei verspäteten Lizenzverlängerungen. Zeit, Alternativen zu prüfen!

Die neuen VMware-Lizenzbestimmungen im Detail

Die Änderungen in der VMware-Lizenzpolitik haben es in sich:

  • Erhöhung der Mindestabnahme: Bisher musste jede einzelne CPU mit mindestens 16 Kernen lizenziert werden - unabhängig von der tatsächlichen Core-Anzahl der Hardware. Die neue Regelung sieht nun eine generelle Mindestabnahmemenge von insgesamt 72 Cores vor - unabhängig von der tatsächlichen Serveranzahl. Konkret bedeutet das: Für einen einzelnen Server mit 8 Cores müssen 72 Cores lizenziert werden, für 3 Server mit je 8 Cores (insgesamt 24 Cores) ebenfalls 72 Cores. Erst ab 10 Servern mit je 8 Cores (= 80 Cores insgesamt) wird die tatsächliche Core-Anzahl lizenziert. Für Unternehmen mit kleineren Installationen führt dies zwangsläufig zu einer massiven Überlizenzierung.
  • 20% Strafgebühr bei verspäteter Verlängerung: Broadcom führt für VMware-Kunden eine empfindliche Strafgebühr von 20% des Erstjahresabonnements ein, wenn Lizenzen nicht rechtzeitig verlängert werden. Im Vergleich dazu berechnet Microsoft in ähnlichen Fällen nur 3% – ein deutlicher Unterschied. Besonders für KMUs ohne spezialisierte Lizenzabteilung entsteht hier ein erhebliches finanzielles Risiko, da bereits kleine administrative Verzögerungen zu spürbaren Mehrkosten führen.


Diese neuen Bedingungen werden besonders für kleinere und mittlere Unternehmen zur Belastungsprobe, da sie oft mit weniger leistungsstarker Hardware arbeiten und keine spezialisierten Lizenzabteilungen unterhalten.

Auswirkungen auf KMUs

Die Konsequenzen für kleine und mittelständische Unternehmen sind weitreichend:

  • Kostenexplosion durch Überlizenzierung: Viele KMUs betreiben ihre virtualisierte Infrastruktur mit einer beschränkten Anzahl an Hosts und relativ wenigen Prozessorkernen. Die neue Verpflichtung, insgesamt mindestens 72 Cores zu lizenzieren – auch wenn die tatsächliche Hardware-Ausstattung deutlich darunter liegt – führt zwangsläufig zu einer teuren Überlizenzierung. Ein typisches KMU mit beispielsweise 2-3 Virtualisierungshosts mit je 8 oder 16 Cores müsste dennoch für 72 Cores bezahlen. Dies bedeutet, dass Ressourcen bezahlt werden müssen, die in der Praxis gar nicht vorhanden sind oder genutzt werden können.
  • Erhöhter Verwaltungsaufwand: Die 20%-Strafgebühr bei verspäteter Lizenzverlängerung erhöht den administrativen Druck. Ohne dedizierte Lizenzabteilung wird das Management dieser Fristen zur zusätzlichen Herausforderung für IT-Teams, die ohnehin schon stark ausgelastet sind.

Alternativen für KMUs

Angesichts dieser Entwicklungen sollten KMUs jetzt aktiv werden und Alternativen prüfen:

1) Windows Server 2025 mit Hyper-V

Microsoft bietet mit Windows Server 2025 (und dem bestehenden Windows Server 2022) eine überzeugende Alternative:

Vorteile:

  • Vertraute Umgebung: Nahtlose Integration in bestehende Microsoft-Infrastrukturen
  • Transparente Lizenzstruktur: Übersichtlichere Lizenzbedingungen mit deutlich niedrigeren Einstiegshürden
  • Nahtlose Hybrid-Integration: Windows Server lässt sich über Azure Arc in die Cloud-Infrastruktur einbinden, wodurch Unternehmen trotz klassischem On-Premises-Aufbau von zahlreichen Azure-Services profitieren können. Dies ermöglicht eine konsistente Verwaltung, Governance und Sicherheit über die gesamte IT-Landschaft hinweg, ohne dass Workloads in die Cloud verschoben werden müssen.


Ideal für:

  • Unternehmen mit bestehendem Microsoft-Ökosystem
  • Organisationen mit begrenztem Budget und Planungssicherheit
  • Firmen, die langfristige Stabilität und Support schätzen


2) Azure Local: Cloud-Technologie im eigenen Rechenzentrum

Mit Azure Local (bzw. Azure Stack) bietet Microsoft eine Lösung, die Cloud-Dienste ins eigene Rechenzentrum bringt:

Vorteile:

  • Hybride Flexibilität: Cloud-Technologien nutzen, ohne Daten in die Public Cloud zu verlagern
  • Möglichkeit zur Skalierung: Mit zunehmender Erfahrung können ausgewählte Workloads bei entsprechender Planung in die Azure-Cloud ausgelagert werden. Dieser Prozess erfordert allerdings sorgfältige Vorbereitung, technisches Know-how und eine detaillierte Analyse der Anwendungskompatibilität.
  • Einheitliche Verwaltung: Konsistente Management-Oberfläche für lokale und Cloud-Ressourcen


Besonders geeignet für:

  • Branchen mit strengen Compliance-Anforderungen
  • Edge-Computing-Szenarien mit hohen Anforderungen an Latenz und Datentransfer
  • Schrittweise Cloud-Migration ohne vollständige Aufgabe der eigenen Infrastruktur

Fazit: Jetzt handeln und Alternativen evaluieren

Die drastischen Änderungen in der VMware-Lizenzpolitik sollten für KMUs ein Weckruf sein, ihre Virtualisierungsstrategie zu überdenken. Mit Windows Server 2025 (Hyper-V) und Azure Local stehen praxiserprobte Alternativen zur Verfügung, die sowohl technisch als auch wirtschaftlich überzeugen.

Unternehmen sollten jetzt:

  1. Den tatsächlichen Ressourcenbedarf evaluieren
  2. Die Mehrkosten durch die neuen VMware-Lizenzbedingungen kalkulieren
  3. Praktikable Alternativen auf ihre spezifischen Anforderungen hin prüfen
  4. Eine strategische Entscheidung treffen, die langfristige Flexibilität und Kosteneffizienz sichert


Ein Wechsel der Virtualisierungsplattform ist zwar mit Aufwand verbunden, kann sich jedoch angesichts der drastischen Änderungen bei VMware als lohnende Investition in die Zukunftsfähigkeit Ihrer IT-Infrastruktur erweisen.


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