Auf der Microsoft Ignite-Konferenz im letzten Jahr war die Ankündigung von Windows Virtual Desktop mit Sicherheit eines der Highlights – zumindest aus meiner Perspektive. Die ursprüngliche Release-Roadmap sah dabei vor, dass die Public Preview bereits vor einigen Monaten hätte Live gehen sollen.

Vorfreude ist doch die schönste Freude

Um den Start dieser angesprochenen Public Preview nicht zu verpassen, meldete ich mich bereits während des Aufenthaltes in Orlando beim entsprechenden Release-Newsletter an. Zur Erinnerung – die Ignite fand im September letzten Jahres statt. Woche um Woche verging, jedoch von Windows Virtual Desktop keine Spur. Aber nun – eigentlich recht überraschend – war es im Laufe der letzten Tage soweit:

VDI-as-a-Service

Der Modern Workplace ist heute mehr denn je im Bewusstsein der Unternehmen. Einem Mitarbeiter möglichst keine Einschränkungen oder Grenzen während des Arbeitens in den Weg legen – so das ambitionierte Ziel. Mittlerweile haben zum Erreichen dieses Ziels viele Unternehmen Ihre VDI-Infrastruktur veröffentlicht. Getreu dem Credo „Any device, anywhere“ ist damit möglich, von überall und von allen erdenklichen Quellgeräten auf Unternehmensressourcen und -applikationen zuzugreifen. Dies ist auch das Ziel von Windows Virtual Desktop. Wer jetzt aber denkt, dass man hier eine 1:1 Abbildung der on Premises benötigten Ressourcen in Azure benötigt und auch verwalten muss, der liegt falsch. Das Interessante an diesem Konstrukt ist es, dass die Verwaltung der Backend-Systeme vollständig von Microsoft übernommen wird. Als Kunde ist man lediglich für die Pflege der bereitgestellten Desktops bzw. Applikationen zuständig. Und das spannende: Windows Virtual Desktop ist Stand heute das einzige Produkt, welches eine native Windows 10 Multi-Session-Variante bietet.

Windows 10 Enterprise Multi-Session

Gepaart mit den Skalierungsmöglichkeiten von Microsoft Azure ist dieses Feature zur Kostensenkung eine herausragende Möglichkeit. Stellen wir uns folgendes Standard-VDI-Szenario vor:

  • Jeder User erhält seinen eigenen, zugewiesenen virtuellen Desktop
  • Dementsprechend hat jeder User dediziert zugewiesene Ressourcen – z.B. 2 vCPU und 4 GB RAM

Bei einem normalen Nutzungsverhalten stellt sich das ganze vermutlich hinsichtlich der Ressourcennutzung wie folgt dar:

Windows Virtual Desktop bietet nun, zum Teil mit Hilfe der Microsoft Azure Bordmittel zwei Mechanismen, um Nutzer auf die Multi-Session Windows 10 Systeme zu verteilen. Den sog. Breadth sowie den Depth Modus.

Breadth Modus
o Prinzipiell klassisches Load-Balacing auf einen gegebenen Pool von Desktops

Depth Modus
o Füllen der Sitzungen eines Desktops und bei Bedarf automatische Skalierung und Bereitstellung weiterer Desktops

Somit kann man z.B. folgende konzeptionelle Gedanken beim Infrastrukturdesign einbringen:
• Anstelle von z.B. 20 einzelnen Desktops á 2 vCPUs und 4 GB RAM kann man 5 Desktops mit jeweils 4 vCPUs sowie 8 GB RAM deployen
• Anstelle der 5 Desktops kann man grundsätzlich nur 2 bereitstellen und bei Bedarf skalieren

Diese Dynamik ermöglicht es, die Kosten für den Betrieb einer VDI sowie den administrativen Aufwand signifikant zu reduzieren. Ich bin äußerst gespannt, wie Windows Virtual Desktop auf dem Markt angenommen wird und wie schnell sich diese Lösung im Vergleich zur klassischen, veröffentlichten VDI verbreiten wird.

 

Redakteur: Andreas Düpre (Solution Architect)