In Teil 1 der Blog Reihe haben wir uns einen Überblick über die Architektur der Microsoft Remote Desktop Services verschafft. In Teil 2 befassen wir uns etwas ausführlicher mit dem Thema Virtual Desktop Infrastructure (VDI).

Der Begriff Virtual Desktop Infrastructure (VDI) wurde ursprünglich von VMware als Name für sein Produkt zur Desktop-Virtualisierung eingeführt, hat sich aber als Bezeichnung für derartige Lösungen etabliert. Als virtuelle Desktop Infrastruktur wird das Bereitstellen von Desktop-Betriebssystemen (Windows 7, Windows 8 und Windows 10) als virtuelle Maschine bezeichnet. Der virtuelle Desktop befindet sich dabei auf einem zentralen Server. Desktop Virtualisierung verfolgt somit den Ansatz, die Funktion eines Arbeitsplatz PCs über einen oder mehrere zentrale(n) Server bereitzustellen. Dabei erfolgt der Zugriff über ein Remote Display Protocol.

Microsoft selbst hatte bis zum Windows Server 2008 R2 keine vollständige VDI Lösung. Diese neue Betriebssystemversion enthielt nun einen verbesserten Hypervisor sowie einen Connection Broker. Die Remote Desktop Services (RDS) bilden den Kern der VDI-Suite. Microsoft VDI nutzt zur Kommunikation mit dem Benutzergerät das Remote Desktop Protokoll (RDP) mit RemoteFX.

RemoteFX liefert eine höhere Qualität der Benutzererfahrung als RDP allein. Die Technik bietet bessere Codierung und eine verbesserte Grafik für die Virtualisierung. Ein virtueller Desktop mit RemoteFX ermöglicht es dem Anwender, remote in einer optimalen Windows-Umgebung zu arbeiten, Videos anzusehen und 3D-Anwendungen mit der Leistung auszuführen, die der einer nativen Desktop-Umgebung ähnelt. Neben einer Verbesserung der grafischen Darstellung enthält RemoteFX eine Verbesserung der USB-Unterstützung von virtuellen Windows Computern zur Anbindung von USB-Laufwerken, Smartphones oder Digitalkameras.

 

 

Da das Ziel verfolgt wurde einen kompletten VDI Software Stack von der Virtualisierung bis zum Management zu bieten, wurden mit der Einführung von Windows Server 2012 die Bereiche Virtualisierung, Cloud-Fähigkeit und Management erweitert. Dabei profitierte die VDI-Technik durch die stark erweiterten Hypervisor-Kapazitäten, die verbesserten Hochverfügbarkeitsoptionen sowie das flexibilisierte Storage-Management. Die Funktionen zur Einrichtung virtueller Desktops beruhen auf der gleichen technischen Basis wie die Terminaldienste. Das betrifft unter anderem den Einsatz des Remote Desktop Protocol für beide Arten des Server Based Computing, ebenso einen gemeinsamen Broker für Sessions und Desktops sowie ein Gateway, das den sicheren Zugriff auf Desktops und zentrale Anwendungen realisiert.

Folgende Komponenten werden für den Aufbau einer Microsoft VDI benötigt:

·         Hyper-V Server mit der RD-Virtualization-Rolle

·         Server mit den Rollen RD Connection Broker und RD Session Host im Redirection-Modus

·         sowie optional Server mit RD Web Access und RD Gateway, sofern webbasierter Zugriff von extern gewünscht ist

 

 

Mit dem Server 2012 R2 wurde das Plugin Remote Desktop Management Service (RDMS) für den Server Manager eingeführt. RDMS ist die zentrale Verwaltungskonsole für sämtliche RDS-Rollen. Ein eigener Discovery-Prozess entdeckt diese auf allen Maschinen, die im Server-Manager zu einem Rechner-Pool hinzugefügt werden. Voraussetzung für die zentrale Verwaltung einer RDS-Installation ist die Einrichtung eines Remote Desktop Management Servers, der seinerseits an die Rolle des RD Connection Broker gebunden ist. Der Server-Manager ermöglicht die zentral gesteuerte Installation der benötigten RDS-Rollen auf den betreffenden Servern. Ein Assistent namens Quick Start Deployment beschleunigt die Einrichtung kleinerer VDI-Umgebungen, indem sämtliche benötigten Rollen in einem Durchlauf auf einem Server installiert werden. Wie bei den Remote Desktop Services werden für VDI Installationen Sammlungen gebildet, die sowohl Virtualization Hosts und Session Hosts zu Managementeinheiten zusammenfassen.

 

Es wird zwischen zwei Arten von Collections unterschieden:

·         Persistente Desktops – bei Microsoft Personal Desktops

·         nicht-persistente Desktops – bei Microsoft Pooled Desktops

 

Auch für das Deployment von Desktop-VMs kamen mit dem Server 2012 R2 Verbesserungen wie:

·         automatisches Erzeugen von virtuellen Desktops auf Basis von Templates

·         Einspielen von Patches, die in einer Queue abgearbeitet werden, um Patch Storms zu verhindern

·         Live Migration von VMs mit lokalem Caching. Templates können damit auf einem Netzlaufwerk eines File-Servers abgelegt werden. Sobald auf dieser Basis ein virtueller – pooled – Desktop erzeugt wird, überträgt eine Streaming-Funktion die zu dieser VM gehörende VHD auf ein lokales Laufwerk.

Das Feature User Profile Disk (UPD) wurde ebenfalls neu eingeführt. UPD ist ein Mechanismus, der Benutzerprofildaten nicht in der VM speichert, sondern in einer user-spezifischen externen VHD. Solche Daten konnten bisher nur über Roaming Profiles und Ordnerumleitung beibehalten werden, die für VDI aber nur bedingt tauglich sind. Die neuen Features haben das Ziel pooled Desktops als Alternative zu den schwer zu administrierenden persönlichen Desktops zu realisieren. Durch zentrale Bereitstellung weniger Master-Images, vereinfacht sich das Management wie auch das Patching beziehungsweise Updating erheblich. Der Ressourcen- beziehungsweise Speicherbedarf sinkt. Persönliche Desktops können dagegen auf Basis neuer Storage-Features nun auch effizienter gespeichert werden. Die in VHDs gespeicherten Images profitieren dank Data Deduplication durch Ersparnis beim Speicherplatz, sofern Sie auf einem SMB Fileserver abgelegt sind. Zugleich wird durch das Caching des SMB-Servers die Performance, zum Beispiel beim Booten, beschleunigt.

 

Redakt.: Christian Seurig