Als Fortsetzung der Blog-Serie zum korrekten Sizing einer Backup Umgebung geht es heute um das  Programm Veeam Backup & Replication.

Reduzierung der Backup Größe
Standardmäßig wird jede Sicherung bereits von Veeam komprimiert und dedupliziert:

Zu beachten ist allerdings, dass die Deduplizierung PRO BACKUP JOB ausgeführt wird! Viele Backup Admins haben jedoch noch die Angewohnheit, für viele Server oder Servergruppen EINZELNE Backup Jobs zu erstellen. Dies macht das Backup-Konstrukt nicht nur umständlicher, sondern im Falle von Veeam auch größer! Dabei bietet das Programm innerhalb EINES einzigen Jobs die Möglichkeit, unterschiedliche Credentials und applikationskonsistente Einstellungen zu setzen („Guest Processing“ > „Applications“ / „Credentials“). Dies macht bereits in den meisten Fällen mehrere Jobs unnötig.

Eine weitere platzsparende Einstellung verbirgt sich im o.a. „Advanced“ Menü unter dem Tab „Backup“:

Der Haken „Transform previous backup chains into rollbacks“ sorgt nämlich dafür, dass selbst bei einer langen Kette von inkrementellen Backups mit regelmäßigen Full-Backups NUR EINE EINZIGIGE Vollsicherung aufbewahrt wird. Alle ALTEN Backups werden mit dieser Einstellung zu sogenannten RÜCKWÄRTS-INKREMENTELLEN Sicherungen. Veeam veranschaulicht dieses System hier: https://www.veeam.com/kb1933

Alternativ kann auch der Sicherungstyp „Reverse incremental“ ausgewählt werden. Hierbei wird bei JEDEM Backup eine Vollsicherung erstellt und ALLE ALTEN Sicherung zu Rückwärts-Inkrementellen-Dateien umgewandelt.

Verbesserung der Backup Geschwindigkeit
So wie auch vRanger, kann Veeam neben der netzwerkbasierten Sicherung selbstverständlich auch über den SAN Weg (Storage Anbindung beachten) oder per HotAdd (Veeam Server = VM) sichern. Standardmäßig ist die Einstellung unter „Backup Infrastructure“ > „Backup Proxies“ > Auswahl des Proxies > „Transport Mode“ auf „Automatic“ gesetzt, kann aber entsprechend angepasst werden:

Siehe hierzu auch den dritte Teil der Blog Reihe:
https://www.abtis.de/korrektes-sizing-einer-backup-umgebung-teil-3-vranger/

Die bereits genannten Einstellungen zur Reduzierung der Backup Größe haben natürlich auch bei der GESCHWINDIGKEIT einen Einfluss. So ist ein ACTIVE FULL Backup natürlich langsamer, als z.B. ein SYNTHETISCHES Vollbackup, welches lediglich aus einer inkrementellen Sicherung ein Vollbackup erstellt.

Vermeiden von Engpässen
Wie auch bei vRanger lässt sich unter Veeam einstellen, wie viele Backups gleichzeitig laufen dürfen. Der erste Anlaufpunkt ist hierbei wieder der Backup Proxy (siehe oben). Unter „Max concurrent tasks“ werden die gleichzeitig maximal möglichen Backup Tasks (= Sicherung einer virtuellen Disk) eingestellt:

Die maximale Anzahl richtet sich hierbei nach der Anzahl der CPU Kerne des Veeam Servers.
Eine weitere Anpassung kann im Repository selbst vorgenommen werden:

So ist es möglich, in den Eigenschaften jedes Repositories die gleichzeitig laufenden Sicherungen PRO REPOSITORY zu konfigurieren, als auch die maximal zu übertragenen Daten.

Mit der Enterprise Plus Version bietet Veeam zudem die Möglichkeit im Hauptmenü unter „General Options“ > „I/O Control“ je nach Storage Latenz die gleichzeitig laufenden Jobs zu drosseln:

Bei einer sehr schwachen Umgebung kann man übrigens (in jeder Lizenz-Version) das „Parallel Processing“ deaktivieren.

Schließlich gibt es noch einen Punkt zur Performance Anpassung, der für LAN- und WAN-Netzwerke hervorragende Tuning Möglichkeiten bietet. Im Hauptmenü unter „Network Traffic Rules“ können ganze Quell- und Ziel-IP-Adress-Bereiche komplett granular und stundengenau auf Netzwerk-Ebene gedrosselt werden:

Hier ist es z.B. möglich, während der Arbeitszeit der Nutzer eine Drosselung der Bandbreite für Copy Jobs an einen Remote Standort über die WAN Leitung vorzunehmen und nächtlich die gesamte Bandbreite auszunutzen. Allgemein gilt bei all diesen Einstellungen: Das Setting mit der niedrigsten Bandbreite und den wenigsten gleichzeitig möglichen Jobs drosselt alle anderen Einstellungen.

Die hier vorgestellten Best Practices stellen nur einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten zur Verbesserung der Performance im Backup Bereich dar. Sollten Sie weitergehende Beratung oder eine Optimierung Ihrer Backup Umgebung wünschen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

www.abtis.de
support@abtis.de

 

Im fünften Teil der Serie am 11.06.2018 werden wir noch einmal auf Veeam eingehen und uns anschauen, welche immensen Platzersparnisse Veeam + Windows Deduplizierung (gleichzeitig!) ermöglichen.

 

Redakt.: Thomas Reeck