Plant man eine Backup Umgebung und spricht sinnvollerweise vorher mit den verantwortlichen IT-Admins hört man immer wieder die gleiche Frage: „Wie machen es denn die anderen Firmen?“ Eigentlich eine valide Frage – und dennoch zeigt sie, dass es dringend notwendig ist, sich über die folgenden, grundlegenden Fragen zum Backup Gedanken zu machen.

Die wohl wichtigsten Punkte bei der Planung einer Backup Umgebung – unabhängig vom Produkt – sind zum einen die Überlegung, welcher Zeitraum an Datenverlust maximal zu verkraften ist (RPO = Recovery Point Objective). Außerdem stellt sich die Frage, wie lange eine Wiederherstellung dieser Daten maximal benötigen darf (RTO = Recovery Time Objective). Einhergehend damit sollte auch die Aufbewahrungsfrist festgelegt werden. Wie lange möchte und muss ich (z.B. durch gesetzliche Vorgaben) bestimmte Daten also aufbewahren?

All diese Überlegungen sollte man vorher zusammen mit den IT Verantwortlichen klären. Dabei wird man sicherlich feststellen, dass ein betriebsrelevantes System besonders schnell wiederhergestellt werden, dafür aber nicht besonders lang aufbewahrt werden muss. Für File-Daten gilt z.T. genau das Gegenteil. Hier ist es für viele Firmen wichtig, dass Nutzer auch noch nach Monaten auf Dokumente zugreifen können, die z.B. ein Kollege aus Versehen vor Wochen gelöscht hat. Für die Planung eignet sich hier meist schon eine Excel Darstellung der einzelnen Systeme/Komponenten/Laufwerke:

Was die Aufbewahrungsfrist angeht, so spricht man im Backup Umfeld oftmals vom sogenannten GFS-Prinzip. Das Grandfather-Father-Son Schema bezeichnet hierbei die Häufigkeit von Sicherungspunkten in Bezug auf deren Alter. Hierzu ein Beispiel:

Sohn: Aufbewahrung TÄGLICHER Backups für 14 Tage
Vater: Aufbewahrung WÖCHENTLICHER Backups für 8 Wochen
Großvater: Aufbewahrung MONATLICHER Backups für 12 Monate

Dieses Schema verdeutlicht, dass jüngere Backups (z.B. Tagessicherungen) in einer möglichst hohen Frequenz aufbewahrt werden sollten. Dies ermöglicht beim o.a. Beispiel die Wiederherstellung von täglichen Sicherungen bis vor 14 Tagen. Sucht man also eine wichtige Datei, die vor 10 Tagen erstellt und dann aus Versehen vor 9 Tagen gelöscht wurde, findet man sie ohne allzu großen Datenverlust wieder (RPO) und kann sie im Normalfall schnell wiederherstellen (RTO).

Auf der anderen Seite kann man z.B. aus Revisionsgründen eine Mitarbeiter-Mail von vor 10 Monaten in den monatlichen Exchange-Sicherungen der letzten Monate mehrfach wiederfinden, auch wenn sie bereits vor 2 Monaten gelöscht wurde. In diesen Zeitspannen spielt es also keine Rolle, ob Sicherungen so häufig aufbewahrt werden.

Wichtig ist an dieser Stelle auch das Medium. Werden tägliche Backups möglichst lokal auf der Disk des Backup Servers aufbewahrt, um sie z.B. im Katastrophen-Fall schnell wiederherstellen zu können (Stichwort: Disaster Recovery), werden die ältesten Sicherungen meistens auf sogenannten Offsite Medien wie z.B. Tapes oder in der Cloud aufbewahrt (Stichwort: Archivierung).

Man spricht hier auch von der 3-2-1 Regel:

3 Backups sollten insgesamt erstellt werden
2 verschieden Medien sollten hierfür verwendet werden
1 dieser Backups sollte ausgelagert werden (Offsite)

Dass dies leider oft nur den Idealvorstellungen entspricht und nicht in die Tat umgesetzt wird, liegt oftmals daran, dass die o.a. Punkte niemals durchgeplant wurden oder es Befürchtungen vor zu teuren Anschaffungen gibt.

Dass Backup-Sicherheit nicht automatisch mit hohen Ausgaben verbunden ist und mit welchen Programmen und Hardware Devices sich die besprochenen Backup-Theorie am besten umsetzen und miteinander verzahnen lassen, das ist Gegenstand der nächsten Blog Teile zum Thema „Korrektes Sizing einer Backup Umgebung“.

 

Redakt.: Thomas Reeck